Nachfolge so klappt's - Folge 1.
3x Frauenpower bei CGW, der Kommunikationsagentur in Willich.

In dieser Folge spreche ich mit den Nachfolgerinnen Anna-Maria und Kristiane Guth und der Gründerin Christina Guth über den Nachfolgeprozess bei der CGW Full-Service Kommunikationsagentur in Willich...

Ist es am Ende ist doch alles die gute Erziehung, oder kann man gute Nachfolge trainieren ?

34 Jahre Kommunikation in Willich - was die 3 Guths tun, damit es auch so weiter geht.

Hinweise auf das Geheimnis hinter der funktionierenden Nachfolge bei CGW gab es schon im ersten Telefonat. Anna-Maria Guth sagte spontan zu und versicherte, dass die anderen zu 100% mitmachen würden. Dazu musste sie keine Rücksprache halten, denn Entscheidungen im Sinne des Unternehmens treffen bei CGW alle 3 Geschäftsführerinnen autark. Da Rückversicherungen, Positionserhalt, und Befugnisdiskussionen bei der Nachfolge oft Problemursachen sind, überraschte mich diese Aussage sehr und war gleichzeitig ein Hinweis darauf, was CGW in der Nachfolge anders macht.

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Fact Box : Firma CGW Full-Service Kommunikation

  • Gegründet: 1985
  • Mitarbeiter: 26
  • Branche: Werbung & Kommunikation
  • Bekannt für: Zuverlässige, Hands-On und Full-Service Agenturleistungen für den Mittelstand, Verbände und Vereine
  • In 1. und 2. Generation gemeinsam geführt
  • Von Webseiten, Anzeigen, Katalogen, Geschäftsberichten, SEO und SEA Beratung bis hin zu Live Events und Messen ist CGW zuverlässiger Ansprechpartner 

Mehr über CGW herausfinden:
www.c-g-w.net

In dieser Folge:

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Anna-Maria Guth

CGW / Nachfolgerin

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KRISTIANE Guth

CGW / Nachfolgerin

Anna Lisa Selter - Nachfolgeberaterin

Anna Lisa Selter

Die nächsten hundert Jahre/ Inhaberin

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CHRISTINA Guth

CGW / Gründerin

Ich habe meinen Kindern immer alles zugetraut. Ich habe das gar nicht in Frage gestellt. Die durften sich auch mal eine blutige Nase holen.
-Christina Guth-  

Das Interview

Wie war die Situation, als Sie in die Firma gekommen sind?


Kristiane Guth:

Geplant war das eigentlich nicht. Ich war 2006/2007 damals in einer guten Anstellung in München und hätte dort auch weiter arbeiten können. Meine Mutter hatte angekündigt, dass sie die Firma langsam aber sicher übergeben möchte und wollte eine Entscheidung - und falls ja, dann mit Haut und Haar - aber wir konnten das absolut frei entscheiden. Sicher war, dass wir mindestens 5 Jahre parallel miteinander arbeiten sollten und für die Entscheidung, in die Agentur zu kommen, hatten wir ungefähr 1 Jahr Zeit, ich brauchte aber eigentlich nur ein paar Wochen. Das Gute bei einem Familienunternehmen ist, ich wusste, worauf ich mich einlasse - keine Black Box also.

 

Ich hatte nie das Gefühl, dass ich hier ein festes Konstrukt habe, was ich im Sinne meiner Mutter fortführen soll. Es war eher die Haltung: macht was draus. 
-Anna-Maria Guth-

Die drei Guths im Interview

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Anna-Maria Guth:
Bei mir war es auch nicht geplant. Ich bin 2008 relativ schnell dazu gekommen, weil Kristiane schwanger wurde und der Arbeitsmarkt damals hart war. Deshalb habe ich - erstmal - nur die Vertretung übernommen. Wir hatten damals ca. 14 Mitarbeiter. Viele davon kannten uns schon als Baby und einige haben uns dann geduzt und wir haben sie gesiezt - das war schon kniffelig. Wichtig war mir immer, dass ich das, was ich von den Mitarbeitern erwarte, auch selbst liefere.

Kristiane Guth:
Dann ist man natürlich immer erstmal Tochter der Chefin. Wir sind zwar nicht als Geschäftsführerinnen eingestiegen, aber das automatische "Erben" der Position - Management by Chromosomes - das war für mich schon schwierig, damit klar zu kommen und kein schlechtes Gewissen zu haben.

 

Ein Maximum an Transparenz. Meine Mutter hat uns nie irgendetwas vorenthalten. Es lag immer alles auf dem Tisch.
-Kristiane Guth-  

Was sind die Faktoren, die die Nachfolge positiv beeinflussen ?

 

Christina Guth: Ich denke, ein Vorteil war, dass ihr so früh angefangen habt. Ihr habt ja schon mit 15, 16 Jahren hier gearbeitet. Ansonsten war das immer Training on the Job und wir tauschen uns regelmässig aus und reden und diskutieren viel miteinander. Ich habe meinen Kindern auch wirklich immer alles zugetraut. Das habe ich nie in Frage gestellt.

Kristiane Guth: Dazu kommt noch ein Maximum an Transparenz. Mehr geht nicht. Es gab nie eine Situation in der uns meine Mutter Informationen vorenthalten hat. Das ist in anderen Fällen sicher anders. Es lag alles auf dem Tisch, wir waren viel mit dabei. Bei Steuerberatergesprächen, bei Einstellungsgesprächen...Training on the Job...und dann konnten wir das auch mal allein machen.

Christina Guth:
Ich hab` die auch machen lassen. Die durften sich auch eine blutige Nase holen und Sachen ausprobieren. Wenn es an die Substanz gegangen wäre, wäre ich eingeschritten, aber das ist es nicht.

Anna-Maria Guth:
Es war viel Freude darüber da, dass wir das hier übernehmen. Ich hatte auch nie das Gefühl, dass ich hier etwas Unverrückbares im Sinne meiner Mutter weiterführen soll. Es war eher so: da ist was aufgebaut...

Christina Guth:
Macht was draus.

Anna-Maria Guth:
Genau. Meine Mutter freut sich, wenn wir das hier weiter entwickeln. Und was grundsätzlich die Zusammenarbeit in alle Richtungen erleichtert, ist ein 100% Vertrauen. Wenn jemand eine Entscheidung trifft, dann ist die getroffen. Dann hatten wir noch nie eine Auseinandersetzung darüber, weil jemand gesagt hat, das ist aber falsch. Und das liegt daran, dass die Agentur im Fokus ist.

Ausgangssituation

  • Christina Guth hat die Agentur 1985 gegründet und ab da geführt
  • Die Kinder Kristiane und Anna-Maria Guth waren schon als Teenager zum Arbeiten in der Agentur
  • Die Entscheidung, in die Agentur zu kommen, war für beide absolut freiwillig. Den Wunsch nach einer Entscheidung hat Christina Guth aber klar an die Kinder kommuniziert.
  • Kristiane Guth kam 2007 in die Agentur
  • Anna-Maria Guth folgte 2008, als Kristiane Guth ihr erstes Kind bekommen hat

WUssten Sie schon ?

Die CGW reduziert ihren CO2-Fußabdruck kontinuierlich. Aktuell mit zwei Neuzugängen - einem Smart EQ und einem Fahrrad für Kurzfahrten zum Bäcker, oder zur Post. 

Das muss geregelt sein. Ich habe zu meiner Schwester gesagt, wenn Dir was passiert, dann will ich nicht mit Deinem Mann am Tisch sitzen und der entscheidet hier über die Belange der Agentur. Man MUSS sich trauen, das anzusprechen. 
-Anna-Maria Guth-

CGW Kunden kommen aus allen Branchen und Bereichen

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Christina Guth: Das Zutrauen und das Vertrauen war schon immer da.

Kristiane Guth: Und wir gehen uns auch mal auf den Keks und pampen uns auch mal an, es ist ja nicht immer alles rosa, aber wir arbeiten im Grundsatz sehr gerne zusammen. Wir ergänzen uns sehr gut. Die Kombination aus Erfahrung und Neuem ist eigentlich das Beste, was wir haben. Der Respekt ist da, weil wir sehen, was die anderen jeweils leisten und das auch anerkennen.

Anna-Maria Guth: Und: es geht nicht um Geld und es geht nicht um Macht. Das ist auch sehr sehr wichtig.

Christina Guth: Prestige und Macht brauche ich nicht. Habe ich nie gebraucht. Bei mir stand auch nie etwas Wichtiges auf der Visitenkarte.Ich gehe in Projekten komplett auf, Macht interessiert mich nicht.

Kristiane Guth: Es geht um das, was wir tun. Es geht um die Sache. Das Geld ist nur Mittel zum Zweck. Zumindest bei uns ist es auch so, dass die Partner außen vor sind - inhaltlich und auf dem Papier. Sie profitieren nicht direkt aus der Agentur und sie mischen sich auch nicht ein. Das macht alles übersichtlicher und einfacher.

Anna-Maria Guth: Ja, wir haben Männer kommen und gehen sehen und wir sitzen immer noch hier. Die müssen schon bereit sein, das Komplettpaket zu nehmen. Das haben wir auch rechtlich alles geregelt. Wenn einer von uns etwas passiert, dann gehen ihre Anteile nicht zum jeweiligen Mann, sondern zurück an die Agentur.

 

Nachfolge heißt oft Konkurrenz. Ich habe zu meinen Töchtern kein Konkurrenzverhältnis. 
-Christina Guth-

Wo SIND/waren kritische Punkte, oder eventuelle Sollbruchstellen im Prozess? Wo hätte der Prozess scheitern können und warum ist er es nicht?

Anna-Maria Guth: Wenn die Entscheidung mehr erzwungen worden wäre, oder ich nicht das Gefühl gehabt hätte, ich darf wirklich selbst entscheiden, ob ich zurück komme. Und wenn ich nein gesagt hätte, dann wäre das auch ok.

Kristiane Guth: Total wichtig ist aber auch, dass wir nicht ununterbrochen auf denselben Jobs zusammen arbeiten. Das würde tatsächlich nicht funktionieren.

Christina Guth: Ich frage mich manchmal schon: kann ich da jemals richtig loslassen... Es ist ja schon ein Stück Lebenswerk. Früher dachte ich um Gottes Willen, heute denke ich: was störts - das Interesse am Unternehmen wird niemals aufhören. Ich habe ganz früh Anteile an die beiden überschrieben. Damit hatte ich nie ein Problem. Das haben wir jetzt 2x gemacht und beim nächsten Mal ist das Unternehmen komplett überschrieben. Andere haben dann Angst, ihre Nachfolger gehen mit dem Geld durch. Sie dürften jetzt nicht ohne meine Zustimmung hinweg verkaufen, aber ich hätte davor auch gar keine Angst, dass das passiert.

 

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Wo haben Sie sich informiert bzw. Unterstützung gesucht? Wie konnte das Umfeld unterstützen?Was war dabei essentiell?

Kristiane Guth: Wir haben schon mit unserem Steuerberater gesprochen und bei der Ausgestaltung der Verträge mit den jeweiligen Konsequenzen - was passiert, wenn eine von uns eher stirbt, wohin gehen dann die Agenturanteile, wie verhindern wir, dass das total kompliziert innerhalb der Familien wird, - dazu haben wir mit einem Notar zusammen gearbeitet und das musste auch sein. Das war gut so.

Kristiane Guth: Ich habe mich gefreut, als Anna-Maria dazu gekommen ist, weil ich die Verantwortung in der Agentur schon sehe und weil ich glaube, zusammen bekommen wir das gewuppt.
Christina Guth: Wir unterstützen uns hier sowieso auch viel gegenseitig.
Anna-Maria Guth: Es war viel "Training on the Job" - wir waren eigentlich immer dabei und konnten zuschauen und es dann selbst umsetzen.

Was würden Sie genauso/anders machen, wenn Sie noch mal von vorn starten würden mit dem Prozess?

Kristiane Guth: Es ist ja bei uns noch nicht abgeschlossen - das ist auch noch mal wichtig, hier zu sagen und deshalb ist das - Stand heute - auch etwas schwierig zu beantworten. Aus dem Bauch raus gibt es erstmal nichts, aber wir hatten nie eine wirtschaftlich schwierige Situation, das ist vielleicht auch noch mal wichtig, weil da dann eventuell weniger Druck da war.
Anna-Maria Guth: Ja, da wissen wir aber nicht, was von was kommt. Vielleicht gab es die schwierige Situation auch nicht, weil wir da sind und die Nachfolge so umsetzen.
Christina Guth: Wir hatten aber schwierige Zeiten. Und dann muss halt die Agentur wieder vor dem persönlichen Bedürfnis stehen und dann steht man enger zusammen.

Ich kenne Nachfolgesituationen, da ist die Haltung: "Du brauchst keine Befugnisse, ich sterb` nicht." Das ist natürlich Blödsinn. Dem hab`ich gesagt: Ich bin mir ganz sicher, Sie sterben irgendwann. Manchmal muss man Dinge aussprechen und dann löst sich etwas.
-Christina Guth-

Wussten Sie schon ?

Die Guths arbeiten in der Konstellation schon 10 Jahre erfolgreich miteinander und möchten das auch erstmal noch so weiter führen. Die besondere Art der Zusammenarbeit und des Umgangs miteinander bringt aus der Kombination das Beste für das Unternehmen und die Kunden zutage. 

Wie gehen Sie Ihre eigene Nachfolge an?

Kristiane Guth: Oh Gott - das ist echt noch weit weg. Dazu habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Wir haben unsere eigene Nachfolge ja noch nicht ganz vollzogen und die Kinder sind auch noch zu klein. Ich würde auch nicht auf Teufel komm raus sagen: dann muss diese Agentur hundert werden.

 

Was raten Sie Inhabern und Nachfolgern, die vor einer Nachfolge stehen, oder schon in der Umsetzung sind?

 

Anna-Maria Guth: Die Mitarbeiter müssen wissen, wenn einer von uns etwas sagt und entscheidet, dann gilt das auch für die anderen. Das ist ganz wichtig.
Kristiane Guth: Viele Dinge, die wir oben schon beschrieben haben, sind sehr wichtig. 100% Vertrauen und Respekt und die Transparenz.
Christina Guth: Und das Zutrauen, das Vertrauen - die machen das. Und dürfen es auch anders machen.

Würden Sie noch mal antreten?

Kristiane Guth: Es gibt schon manchmal Momente, wo ich verunsichert bin. Wenn sich beispielsweise Lebensumstände ändern, dann kommt man schon an den Punkt, wo man überlegt, "kann ich das noch leisten, kann das trotzdem funktionieren?" Aber bisher habe ich immer wieder gesagt: Ja, das geht. Bisher habe ich die Entscheidung jedes Mal wieder so getroffen.

Anna-Maria Guth: Ich überlege mir in regelmässigen Abständen immer wieder: ist diese Selbstständigkeit etwas? Das ist schon kräftezehrend und ich überlege mir dann: gehe ich doch in eine 37 Stunden Woche zu einem Chemiekonzern und verdiene das Dreifache. Ich entscheide mich aber dann immer wieder bewusst doch für die Agentur. Das sind alles eher äußere Umstände, diese Überlegungen haben mit der Nachfolgesituation nichts zu tun.

Ein Wort zum Schluss?

Christina Guth: Wenn ich sehe, wie schnell Bekannte und Freunde sich innerhalb von 1 oder 2 Jahren verändern, wenn sie aufhören zu arbeiten, dann arbeite ich lieber weiter.

Anna-Maria Guth: Mein Traum, sowohl für die Agentur und uns, als auch für meine Mutter ist - vorausgesetzt wir schaffen es, dass sie kürzer treten kann, also noch ein bisschen mehr Urlaub nimmt und auch mal einen Donnerstag und Freitag frei hat, dass sie uns mit der Stärke maximal lange für die Agentur erhalten bleibt. Ich glaube, dass das für meine Mutter persönlich und für die Agentur ein super Modell wäre. Das heisst, dass es schrittweise weniger wird, dass wir mal 30 Wochenstunden schaffen (lacht), wir aber maximal lange von ihr profitieren und sie aktiv bleiben kann. Wir haben NULL Einschränkungen durch sie, sie würde uns nie im Weg stehen.

Design ohne Titel (6)

Die wichtigsten Takeaways

  • Als Inhaber/in klar zu kommunizieren, wie man sich die Nachfolge vorstellt, den Nachfolger die Entscheidung dafür aber unbedingt freiwillig treffen lassen
  • Vesuchen, immer das Unternehmen an erste Position zu stellen und das eigene Machtbedürfnis dahinter zu setzen
  • Wenn das Vertrauen da ist, dass Entscheidungen im Sinne des Unternehmens getroffen werden, dann sind Entscheidungen einer Beteiligten auch bindend für die anderen
  • Transparenz schaffen und leben. Nichts vorenthalten und die Nachfolger einbeziehen.
  • Zutrauen und Vertrauen und zwar uneingeschränkt - das ist wichtig.
  • Anerkennung und Respekt für die Leistung des jeweils Anderen. Jeder soll seine Stärken nutzen und Kinder sind keine Konkurrenten.
  • Das Geld darf nie der Antrieb für die Nachfolge und allein im Fokus sein.
  • Die jeweiligen Ehepartner sollten nicht rechtlich und finanziell in das Unternehmen eingebunden sein.
  • Unangenehme Themen müssen angesprochen werden. Sie werden noch unangenehmer, wenn Dinge dann wirklich eintreten und nichts geregekt ist.
  • Komplizierte Sachverhalte müssen von außen beraten werden. Das sollte man nicht allein versuchen.
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