Aus der Haut können

Rollen beim Nachfolgeprozess

Warum Ortswechsel den Rollenwechsel im Nachfolgeprozess erleichtern

Nach mehreren Erfahrungen und Tests arbeite ich mit Unternehmen in Nachfolgeprozessen am Erfolgreichsten, wenn die Termine und Workshops nicht im Unternehmen, oder der unmittelbaren Umgebung stattfinden.

Ich gehe inzwischen soweit, dass ich Termine, die im Büro des Inhabers stattfinden sollen, verlegen lasse.

Ich lasse inzwischen Termine verlegen, die im Büro des Inhabers geplant waren.

Zu oft hat das Telefon mitten im Prozess geklingelt und alle Anwesenden haben dem Telefonat des Inhabers mit wahlweise Kunden, Lieferanten oder Mitarbeitern zugehört, während der Prozess natürlich ins Stocken geriet.

Dahinter steckt keine böse Absicht, sondern schlichtweg Gewohnheit. Auf bekanntem Terrain, wie dem Unternehmensgebäude, sind die Rollen klar verteilt, die Hierarchie und die Aufgaben stehen und jeder bewegt sich, spricht und handelt innerhalb gelernter und gesteckter Grenzen.

Auf bekanntem Terrain sind die Rollen klar verteilt, Hierarchie und Aufgaben stehen, jeder bewegt sich innerhalb gelernter Grenzen

Dasselbe gilt auch für Hotels und Gaststätten in der Nähe des Firmensitzes. Man kennt sich, hat sich am Abend vorher vielleicht noch gesehen, das Tun der Unternehmerfamilie wird natürlich beobachtet und bewertet. Die Umgebung und Situation werden nicht als neutral empfunden, auch hier werden so die eingenommenen Rollen fixiert.

Während der Arbeit am Nachfolgeprozess sollen, ja müssen, aber genau diese Rollen und Aufgaben gelockert, gelöst und schließlich geändert werden. Aus dem Inhaber soll ein erfolgreicher „Loslasser“ mit neuen Lebensplänen, aus dem Nachfolger soll ein engagierter, verantwortungsbewusster und erfahrener Unternehmer werden und auch die Rollen anderer Mit-Agierender verschieben und verändern sich.

Der Nachfolgeprozess ist ein Prozess, der starke Veränderungen bewirkt und benötigt – fast ein Häutungsprozess. Es verwandelt sich im besten Fall – symbolisch gesprochen – die ganze Gestalt der Teilnehmer.

Damit bekannte Orte und sicheres Terrain nicht für den Erhalt und die Betonierung der jeweiligen Rollen und Aufgaben sorgen und den ohnehin schon komplizierten Prozess damit unnötig erschweren, ist ein Ortswechsel für die Arbeit am Nachfolgeprozess ein mehr als sinnvolles und wirksames Mittel, um zumindest durch äußere Faktoren positiv zu beeinflussen und es allen damit etwas leichter zu machen.

Das Aufwachen an einem unbekanntem Ort, andere Menschen, andere Wege, erhöhen die Bereitschaft, etwas Anderes zu probieren, sich anders zu verhalten.

Ein Aufwachen an einem unbekannten Ort, ein Spaziergang über Wege, die noch nicht blind begangen werden können, ein anderes Frühstück, andere Menschen, die die bisher ausgefüllten Rollen nicht kennen, andere Eindrücke und Gerüche, erhöhen die Bereitschaft, sich anders zu verhalten, etwas Anderes auszuprobieren.

Die Arbeit am Nachfolgeprozess, gemeinsame Termine, Workshops und Seminare sollten deshalb weit genug entfernt vom Unternehmen stattfinden.

Damit wird ein „aus der Haut können“ für alle Beteiligten leichter, Festgefahrenes kann gelockert werden, Veränderung kann beginnen. Und das wird im Nachfolgeprozess am Dringendsten benötigt.

Hier sind wichtige Tipps für das gute Gelingen von Terminen rund um den Nachfolgeprozess:

  1. Planen Sie regelmässige Termine mit allen schon zu Beginn der Zusammenarbeit, sonst tricksen Sie sich bei der Terminfindung selbst aus, weil Anderes aus dem Arbeitsalltag dazwischen kommt

  2. Suchen Sie sich einen, oder mehrere gute Orte, an denen Sie sich alle wohl fühlen, die Sie aber nicht kennen und an denen Sie nicht bekannt sind

  3. Sorgen Sie für eine gute Verpflegung und Pausen. Es gibt im Nachfolgeprozess viel zu verdauen und wenn es kracht, sollte jeder Zeit haben, Luft zu schnappen und neue Kraft zu sammeln. Durchhalten um jeden Preis ist hier kontraproduktiv.

  4. Es sollte genug Platz sein, um sich zurück ziehen zu können, wenn der Kopf raucht

  5. Vergessen Sie nicht, die notwendigen Disziplinen rechtzeitig hinzu zu ziehen. Ein vom Steuerberater ausgearbeitetes Konzept, dem alle zugestimmt haben, muss eventuell nach der Prüfung durch einen Anwalt komplett neu aufgerollt werden

  6. Bedenken Sie, wer alles mit in die Termine eingeladen werden sollte und auch wer eventuell eingeladen, oder zumindest informiert werden möchte. Kommunizieren Sie hier klar Ihre Beweggründe, um nicht unnötig Staub aufzuwirbeln und weitere Kinder, Ehepartner oder andere Beteiligte im Ungewissen zu lassen

  7. Sparen Sie nicht am falschen Ende. Die technische Ausstattung und die Versorgung sollten stimmen und Sie sollten sich wohl fühlen. Der Prozess ist anstrengend genug – Sie sollten sich nicht über die Unterkunft, oder den Service ärgern müssen

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Meine Arbeit für Familienunternehmen ist geprägt von Wissen um Ihre Besonderheiten – ich komme selbst aus einem mittelständischen Familienbetrieb. Bleiben Sie erfolgreich – mindestens für die nächsten 100 Jahre.

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Anna Lisa Selter

Anna Lisa Selter

Nachfolgespezialistin mit Mittelstandsgenen, guten Ideen und 13 Jahren handfester Erfahrung in großen und kleinen Unternehmen und in Nachfolgeposition als GF Mitglied in einem Metall- und Kunststoff verarbeitenden Familienunternehmen mitten im schönen Sauerland.
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